Neugestaltung Ortsmitte Denkendorf

Denkendorf, Bayern

2. Preis
Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Auslober: Gemeinde Denkendorf
in Zusammenarbeit mit Kiendl & Moosbauer Diplom-Ingenieure

Denkendorf im Altmühltal

Situiert zwischen A9 und Altmühl, ist Denkendorf ein überregionaler Zugang zum Naturpark Altmühltal. Obwohl das Dorf mitten im Naturpark liegt und die umgebende Landschaft von geomorphologischen Besonderheiten wie Höhlen, Dolinen und seltenen Ponoren umgeben ist, ist Denkendorf heute vor allem von der Lage an der A9 geprägt. Das Angebot entlang der Hauptstraße ist stark auf die Bedürfnisse des Durchgangs- und Schwerlastverkehrs ausgerichtet. Der Landschaftsraum Altmühltal ist dabei kaum gegenwärtig.

Karstlandschaft im Altmühltal

Entlang des Tals der Altmühl bilden steile Felshänge den Übergang zur etwas höher gelegenen Karstlandschaft, in der sich Denkendorf befindet. Das Plateau ist durch Höhlensysteme und Ponore mit dem Tal verbunden. Dolinen sind typischer Bestandteil des örtlichen Landschaftsbilds. Die Gesteinsschichten und -arten sind ein weiteres charakteristisches Merkmal für die Region. Der Kalkstein im Untergrund ist Ausgangspunkt der typischen, kalkliebenden Vegetation. Er tritt an Hangkanten offen zu Tage und ist auch in Höhlen und Ponoren direkt erlebbar.

Dolinen & Ponore

Was wie Dellen in der Landschaft aussieht, sind Dolinen, die sich aus absackenden Sedimenten formen. Dieses natürliche Phänomen erzeugt eine ungewöhnliche Oberfläche, die die Karstlandschaft einzigartig macht. Je nach Grad der Absackung kann auch der blanke Stein zu Tage treten oder eine Verbindung  zu Höhlen, Grundwasser und unterirdischen Bächen entstehen. Die landschaftlichen Eigenarten sind identitätsstiftend für die Region und sollen deshalb in Denkendorf stärker erlebbar werden. Die Karstlandschaft ist Ausgangspunkt des vorliegenden Entwurfs.

Dolomit

Dolomit-Vorkommen wurden früher zwischen Kelheim und Ingolstadt abgebaut. Heute gibt es einen Steinbruch unweit von Denkendorf in Wachenzell. Der Wachenzeller Dolomit ist absolut frost- und tausalzbeständig – ein Sonderfall im Bereich der Kalksteine. Aufgrund dessen eignet er sich für Gehwege und Verkehrsflächen.

Wassermanagement und -erlebnis

Hydrophon
Unter dem Rathausplatz verläuft verrohrt ein Wassersystem, das den mittleren Wassertalgraben nördlich des Rathauses speist. Unterirdische Wassersysteme sind typischer Bestandteil der Karstlandschaft des Altmühltals. Ein grammophonähnlicher Trichter  – das „Hydrophon“ – ermöglicht die akustische Wahrnehmung der Geräusche des Wassers im Untergrund.

Karstbrunnen
Im Innenhof des Rathauses mit Erweiterungsbau schafft ein massiver Block aus Dolomit mit Spuren der Verwitterung durch Verkarstungsprozesse einen besonderen Blickpunkt. Aus Löchern in der Blockoberseite quillt Wasser, das über Karren über die Ränder des Steinblocks herunterrinnt. Mit der Zeit verändert sich der Charakter des Brunnens: Flechten und Moose werden dem Stein mit der Zeit eine grüne Patina verleihen.

Nebelponor
Inmitten der Wiesenfläche der „Grünen Mitte“ stellt eine Brunnenanlage in Anlehnung an das geomorphologische Phänomen des Ponors ein besonderes Highlight dar. Die seichte Wasserfläche umgeben von Dolomitblöcken lädt ein, sich in heißen Sommermonaten abzukühlen. Nebeldüsen schaffen ein angenehmes Mikroklima sowie eine besondere Atmosphäre.

Park and Drain
Der Parkplatz am Gasthof „Post“ wird entsiegelt. Eine Gradiente von geschlossener Pflasterfläche im Bereich der Fahrspuren zu offenen Rasenfugen im Zentrum der Platzfläche verleiht der robusten Verkehrsfläche einen grünen Charakter. Wasser wird über die belebte Bodenschicht gereinigt und kann vor Ort versickern.

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