Ortsmitte Mering

Mering, Bayern

Mehrfachbeauftragung
Auslober/ Bauherr: Markt Mering
Leistungsphasen: 1- 9
Größe: 2.900 m²

Ausgangssituation

Die Meringer Ortsmitte formiert sich durch kleine und größere Aufweitungen der Münchner bzw. Augsburger Straße. Dort beleben verschiedene Gastronomien und Gewerbeeinheiten das Zentrum. Historische Gebäudestrukturen und kulturelle Elemente wie der Maibaum betonen die Bedeutung der Ortsmitte für die Marktgemeinschaft. Allerdings entspricht im Freiraum nur der Marktplatz dem lebendigen Trubel im Zentrum von Mering, wohingegen die verbleibenden Freiflächen keine adäquate Gestaltung aufweisen und deutlich vom fließenden und ruhenden Verkehr geprägt sind.

Ziele und Anforderungen an das Projekt

Im Zuge der Neugestaltung der Ortsmitte sollen auch die Freiräume rund um den Marktplatz dem florierenden Leben vor Ort gerecht werden. Eine verbesserte Adressbildung, mehr Raum für Freischankflächen, höhere Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit sollen die Ortsmitte auf sozialer und ökonomischer Ebene stärken. Zusätzlich müssen die Freiräume auf Extremwetterereignisse und Temperaturanstiege vorbereitet sowie unter Berücksichtigung wichtiger Nachhaltigkeitsaspekte entwickelt werden. Unter der Prämisse der Reduzierung der zulässigen Fahrgeschwindigkeit auf 20 km/h ist es Aufgabe der angrenzenden Freiräume diese Chance der immensen Qualitätssteigerung wahrzunehmen und die Ortsmitte für die Menschen erlebbar zu machen.

Alltagsorte rund um den Marktplatz

Rund um den Marktplatz als zentraler, offener, multiflexibler Freiraum und Veranstaltungsort befinden sich in den Nischen und Aufweitungen des Straßenraums verschiedene Alltagsorte, deren Neuordnung und -definition es unter Berücksichtigung der oben genannten Ziele und Anforderungen bedarf. In kleinerem Maßstab und intimerer Aufenthaltsqualität sollen sie die Großzügigkeit des Marktplatzes ergänzen und die Lebendigkeit der angrenzenden, publikumsorientierten Erdgeschossnutzungen widerspiegeln.

Blaue Infrastruktur als soziales Element

Die Alltagsorte bieten gleichzeitig Platz für wichtige blaue Infrastruktur: große entsiegelte Flächen, dezentrale Rigolen zum unterirdischen Wasserrückhalt und vielfältige, großzügige Pflanzflächen zur Transpiration und Kühlung finden Platz in den Alltagsorten. Die blaue Infrastruktur wird zum durchgehenden Element mit Wiedererkennungswert der Innenstadt.

 

Grüne Intarsien beleben Alltagsorte

Oberflächlich wird die blaue Infrastruktur der Alltagsorte sichtbar durch üppig bepflanzte Intarsien aus durchlässiger, wassergebundener Wegedecke. Durch das hohe Grünvolumen entstehen schattige, vielfältige Aufenthaltsorte, die sowohl Freischankflächen für die ansässige Gastronomie als auch konsumfreie Sitzgelegenheiten bieten. Technische und ökologische Notwendigkeit wird zur atmosphärischen Qualität für das soziale Miteinander. Die Intarsien der Alltagsorte durchbrechen die steinerne Oberfläche der Ortsmitte, schaffen lebendige, vielseitige Treffpunkte und tragen deutlich zur Klimaresilienz der Ortsmitte bei.

Nachhaltigkeit in Material und Bauweise

Auch die Wahl der Materialien für den Neubau der Ortsmitte steht unter dem Bestreben einer größtmöglichen Nachhaltigkeit. In den Gehwegen wird das bestehende Porphyr-Kleinsteinpflaster wiederverwendet und in Reihen neu eingebaut. Großformatiges, farblich harmonierendes Porphyrpflaster in länglichen Formaten ergänzt das Kleinsteinpflaster, sorgt für Barrierefreiheit und lässt ein elegantes, zeitgemäßes Zusammenspiel von Alt und Neu entstehen.

Für die Fahrbahn der Münchner- bzw. Augsburgerstraße kommt die Verwendung von Naturstein aufgrund der schlechten Recycling-Quote bei gebundener Bauweise nicht in Frage. Daher wird hier auf Asphalt mit Zuschlägen aus recyceltem Porphyr zurückgegriffen. Durch die ähnliche Farbigkeit von bestehendem Kleinsteinpflaster, dem Granitpflaster und dem Asphalt ergibt sich trotz der verschiedenen Beläge ein einheitliches, durchgängiges aber lebendiges Bild für die gesamte Ortsmitte.

Regenwassermanagement

Die Rigolen in Kombination mit den Intarsien fungieren nach dem Prinzip der Schwammstadt. Das Wasser wird über die entsiegelten Intarsien und Entwässerungspunkte aufgenommen, in den Rigolen gespeichert und kann dann langsam versickern, bzw. über Boden und Vegetation verdunsten. Die Rigolen, die sich gleichmäßig über das Bearbeitungsgebiet verteilen haben eine Speicherkapazität von mehr als 350m³ Wasser. Dies entspricht der Regenspende eines 24-stündigen Dauerregens auf dem gesamten Bearbeitungsgebiet inkl. Marktplatz sowie der angrenzenden Dachflächen (anteilig).

Die Intarsien mit hohem Substrat- und Grünvolumen sind die optische und funktionale Verbindung zwischen unterirdischen Rückhaltevolumen und Oberflächenwasser sowie Mikroklima.

 

Atmosphäre durch Wasser

Durch das nachhaltige Regenwassermanagement ist auch in trockenen Sommermonaten eine üppige Bepflanzung möglich. Durch Verdunstung über den offenen Belag und das große Blattvolumen sowie durch Beschattung über zusätzliche Baumpflanzungen entsteht für die gesamte Ortsmitte ein sehr angenehmes Mikroklima, das vor einem Heat-Island-Effekt schützt, wie er in vielen Ortsmitten auftritt. Dementsprechend werden die Intarsien zu wichtigen Aufenthaltsbereichen und angenehmen Treffpunkten.

In der Intarsie neben den Bushaltstellen wird das Wasser als thematischer Leitfaden der Ortsmitte in Form eines temporären, interaktiven Wasserspiels bzw. Trinkwasserbrunnens sichtbar. Der Brunnen ist zentral in der Ortsmitte vor der Apotheke platziert. Bei Aktivierung des Wasserstrahls fließt das Trinkwasser über eine Stehle und in einer flachen Rinne die Intarsie entlang bis das Wasser in einer Pflanzfläche in der nächsten Intarsie landet und dort versickert. Die Rinne lädt zum Spielen, Pritscheln und Abkühlen ein. Nur bei aktiver Betätigung des Brunnens fließt frisches Trinkwasser, sodass kein dauerhafter Wasserkreislauf notwendig ist.

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